BICSA

The Berlin International Center for the Study of Antisemitism

Kategorie: Allgemein Seite 2 von 9

Postpubertärer Realitätsverlust oder: Warum sind die neu-deutschen Juden wie Max Czollek so beliebt?

* Update bzgl. Suhrkamp, 11.12.2018

Es gibt eine neue Generation von Juden in Deutschland, die gerade deshalb im nicht-jüdischen Mainstream reüssiert, weil sie mit dem jüdischen Establishment wie dem Zentralrat der Juden und dessen Topoi von Shoaherinnerung und Zionismus bricht.

Bekanntestes Beispiel dafür ist vielleicht Max Czollek. Zwar wendet er sich gegen die Namensgebung „Anne Frank“ für einen ICE der Deutschen Bahn, ohne deren Vorläufer, die Reichsbahn, es weite Teile des Holocaust in der Form nicht gegeben hätte, gegen das deutsche „Gedächtnistheater“, einem sehr angestaubten Begriff von Michael Bodemann, wie auch gegen die Neue Rechte von AfD bis Alexander Dobrindt (CSU) und den Schland-Wahnsinn von 2006. Deshalb braucht es ja eine „Alternative zu Deutschland“ – aber gerade keine Abkehr von der Holocausterinnerung (die manche durch Klamauk ersetzen möchten) und von Israel, wie sie Czollek einfordert.

Czollek ist Jg. 1987, aber sein Duktus ist eine Mischung aus mittelmäßiger Abiturzeitschrift und saturiertem Rückblick eines Wannabee-Bestseller-Schriftstellers in gehobenem Alter. Ernsthaft schreibt der 31jährige Czollek, wie intensiv er die letzten fünf Jahre diskutiert habe, im Vorlauf zu diesem Büchlein im Hanser Verlag.

Völlig zurecht möchte er die deutsche Selbstzufriedenheit mit der Gedenkkultur kritisieren und nimmt sich dabei en passant gerade auch solche guten Deutschen wie Katrin Göring-Eckart (geborene Eckart, was er nicht betont), Anja Reschke oder Richard von Weizsäcker (1985) vor. Das ist alles zwar nicht neu und auch vom Stil her wenig scharf oder provokant, aber nicht falsch. Diese Deutschen sehen sich in der Tat als geläutert an, als die Guten, die auf dem Grundgesetz stehen (oder es gleich als Liebhaber haben wie Reschke) und wirkliche Analyse und Kritik der Gesellschaft nicht kennen.

Doch die kennt auch Czollek nicht. Er erleidet einen völligen Realitätsverlust. Warum? Sein Buch „Des-integriert Euch“ von 2018 tut so, als sei es Mainstream, die Verbrechen des Holocaust zu erinnern. Er sieht gar nicht, dass Altbundespräsident Gauck gerade dies nicht tun möchte, ohne auf die angeblich genauso schrecklichen Verbrechen Stalins zu verweisen, Rot gleich Braun, wie es die von Gauck 2008 unterzeichnete und von Litauen initiierte Prager Deklaration will und bereits sehr tief in der politischen Kultur Europas verankert ist, bis hin zu Resolutionen im Europäischen Parlament. Als Joachim Gauck 2013 als Bundespräsident mit dem Präsidenten Estlands, Toomas Hendrik, in Tallin im „Museum der Besatzung“ vor zwei Säulen posierte, links der Rote Stern des Kommunismus und rechts das Hakenkreuz des Nationalsozialismus, wurde dieser erinnerungsabwehrende und totalitarismustheoretische Antisemitismus als deutsche Staatsideologie unumwunden erkennbar, wie der Holocaustforscher und berühmte Yiddish Professor Dovid Katz festhält.

Nur Czollek sieht das nicht, wie auch fast die gesamte sonstige deutsche Gesellschaft, von den Grünen oder der CDU, SPD, CSU, FDP hin zu den „Berühmtheiten“, die 2012 alle für Gauck in der Bundesversammlung gestimmt hatten, wissend, was für ein Holocaust verharmlosender Mann das ist.

Czollek sieht noch weniger den postkolonialen Frontalangriff auf die Erinnerung an die Shoah, wie er von schwarzen Agitatorinnen wie Imani Tafari Ama in der taz im Juni 2017 herausposaunt wurde:

„Die Europäer müssen anerkennen, dass die Verschleppung der Afrikaner das größte Verbrechen in der Menschheitsgeschichte ist, größer noch als der Holocaust“.

Czollek will offenbar den Judenhass nicht bekämpfen – denn das sei alles Geschwätz und zudem das Geschäft des Zentralrats der Juden, der so etwas wie der Hauptfeind für die jung-deutschen Juden wie Czollek zu sein scheint. Und schon gleich gar nicht möchte er den Antisemitismus von „Marginalisierten“ wie Schwarzen oder Türken, Arabern und Muslimen bekämpfen – denn das sind eher seine Partner*innen.

Völlig affirmativ bezieht er sich hingegen auf die hardcore Israelfeindin Judith Butler, auch Hannah Arendt wird nonstop zitiert, dazu kommen dann ebenso ungebildete und nur antilinke Ressentiments schürende antisemitische Zitate, wie von Karl Marx, ohne zu analysieren, dass Marx seinen Text „Zur Judenfrage“, der sehr problematisch und in der Tat antisemitisch ist, später, wie im Kapital von 1867, wieder zurücknahm, die Personifikation des Kapitalismus auf Juden war im Hauptwerk von Marx gerade kein Thema mehr. Aber solche wissenschaftlichen Differenzierungen fehlen bei Czollek vollkommen. An ihm scheinen Debatten über Antisemitismus allein der letzten 20 Jahre völlig spurlos vorbeigegangen zu sein. Und das ist kein Zufall, sondern gewollt.

Zwei Aspekte stechen besonders hervor bei diesem vor Narzissmus triefenden Büchlein Czolleks: die Abwehr der Holocausterinnerung und das Kuscheln mit islamistischen Muslim*innen.

So schreibt er angesichts des Gedenkens an den 8. Mai:

„Bei der nächsten Gedenkveranstaltung sehe ich sie wie schon so oft nebeneinander, die Deutschen auf der einen, die Juden auf der anderen Seite. Doch statt das gewohnte Ritual zwischen den zerknirschten, aber geläuterten Deutschen und den trauernden Opfern zu inszenieren, wird diesmal das Stück der jüdischen Sieger und der unterlegenen Deutschen aufgeführt. Einer der Juden beugt sich zu einem Deutschen hinunter, streichelt ihm über den Kopf und sagt: Aber am Ende haben wir den Krieg gewonnen!“

Die Rote Armee hat den Krieg gewonnen, die Juden haben ihn verloren. Die wenigen Juden, die in der Roten Armee zu den Befreiern von Auschwitz gehörten, werden doch dadurch nie im Leben zu Siegern.

Paradoxerweise trifft sich Czollek an diesem Punkt mit Henryk M. Broder, dessen Realitätsverlust so weit geht, dass er vor Jahren an einem 27. Januar israelische Flugzeuge über Auschwitz fliegen sah – obwohl noch nie an einem 27. Januar israelische Kampfjets über Auschwitz flogen. Broder möchte Israel als die Reaktion und Konsequenz zu Auschwitz sehen, was aber fehl geht: der Zionismus ist viel älter und hat rein gar nichts mit Auschwitz zu tun. Darauf weisen in Israel viele zionistische Forscher*innen und Publizist*innen seit Jahren hin.

Czollek findet jedoch gerade die anti-israelischen Israelis, die nach Berlin strömen, so richtig cool, vermutlich auch jene, die z.B. 2010 in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Randale machten und die Antizionistin Iris Hefets mit ihrem vulgären Antisemitismus in der taz („Pilgerfahrt nach Auschwitz“) unterstützten. Auch die russischen Juden mag Czollek, da sie nicht so herkömmlich und „Gedächtnistheater“ spielend seien wie die meisten deutschen Juden (wie der Zentralrat der Juden) und weniger an Auschwitz erinnerten (das sei eh alles Heuchelei), sondern an den Sieg der Roten Armee über die Deutschen.

Sein ganzes Verkaufsmodell basiert auf seinem ach-so-dissidenten Jude-Sein (denn nur „Berliner“ oder „Lyriker“ oder gar typisch zionistischer deutscher Jude zu sein, das würde sich nicht verkaufen) – hört sich bitter an, und ist bitter. Analytisch bringt er nichts Neues (er schreibt im Wesentlichen von Michael Bodemann, dem frühen Broder oder von Arendt und Butler ab).

Er lehnt den Zentralrat der Juden mehr oder weniger ab und findet Israel problematisch oder einfach kein Thema für ihn und die neu-deutschen jungen Juden, die eher mit Muslim*innen kooperieren denn mit jüdischen Zionist*innen.

Damit kommt Max Czollek natürlich im Mainstream von ZDF-Kulturpalast, Deutschlandfunk und allen Feuilletons hervorragend an. Dabei hat die Deutschlandkritik, jene am Schland-Wahnsinn von 2006 bis heute, wie auch an den Stolzdeutschen, die gerade die Erinnerung an die Shoah feiern, nach dem Motto „So schnell macht uns Auschwitz und vor allem die Erinnerung daran, niemand nach“, von Richard von Weizsäcker über Norbert Lammert bis Cem Özdemir, nicht auf einen postzionistischen Autor gewartet.

Der andere Aspekt, der das nicht nur desolate, sondern nun auch wirklich gefährliche Niveau der Czolleks unserer Zeit indiziert, ist sein Bezug auf Muslime. Für ihn war der Antisemit Heinrich von Treitschke bereits ein Feind auch der Muslime. Czollek fordert eine „jüdisch-muslimische Leitkultur“. Kein Wunder also, dass er die den Islamismus verharmlosende oder mit ihm kokettierende und offenbar pro-BDS Muslimin Yasemin Shooman vom (Anti-) Jüdischen Museum Berlin[i] in der ach-so-wahnsinnig-jung-deutsch-jüdischen Hauspostille „Jalta“ publiziert (die sich hinter die vom Verfassungsschutz wie anderen Islamismusexpert*innen und dem Antisemitismusbeauftragten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin kritisierten Neuköllner Begegnungsstätte stellt) und sein Kumpel Micha Brumlik ist einer der Co-Herausgeber.

Der Generation Czolleks Selbstverliebtheit zeigt sich dann auch in seinen Lobeshymnen auf das Maxim Gorki Theater (das beim Karneval der Geflüchteten mit dabei war, so wie auch eine BDS-Gruppe dabei war, alle wussten es und haben es goutiert).

Schon auf dem Backcover von „Desintegriert euch“ macht sich der Autor über die Kritik am Islamismus lustig und diffamiert geradezu Juden, die sich mit der Shoah und dem Antisemitismus befassen. Damit bedient er die antiisraelische und Holocaust verharmlosende Obsession des nicht-jüdischen deutschen Mainstream. Für die überwiegende Mehrheit der Juden außerhalb Israels spricht er ganz sicher nicht, denn die ist erstens zionistisch und zweitens in sehr großer Sorge ob des extrem zunehmenden Antisemitismus in den letzten Jahren, vor allem in Europa, aber auch in den USA. Der Trumpismus steht für eine politische Kultur, die Gewalt und Judenhass heraufbeschwört und zum schrecklichsten antisemitischen Massaker in der Geschichte Amerikas in einer Synagoge in Pittsburgh führte.

Israel ist und bleibt die rettende Insel für alle Juden (gerade auch der ungläubigen oder gottlosen, die aus ihrer Identität nichts Besonderes machen, sondern einfach nur als Jude oder Jüdin sicher im eigenen Staat leben wollen), auch wenn das die Czolleks nicht wahrhaben wollen und darauf pfeifen.

Max Czollek meint ernsthaft, er kritisiere das „Gedächtnistheater“ in Deutschland – er hat einen Realitätsverlust und sieht gar nicht, wie seit Jahren die Rot=Braun-Totalitarismusideologen, die postkolonialen, schwarzen und sonstigen Leugner*innen der Präzedenzlosigkeit der Shoah agitieren und er ignoriert vollkommen die enorme Gefahr, die vom muslimischen wie islamistischen Judenhass ausgeht. Dieser muslimische Judenhass und Antizionismus findet nicht nur auf deutschen Schulhöfen, in Moscheegemeinden, im BMW- oder Mercedes-Autoradio oder im öffentlichen Raum und dem Internet statt, sondern auch in der Publizistik und teils sehr einflussreichen Institutionen. Gerade NGOs, die sich der jüdisch-muslimischen Symbiose verschrieben haben, die vorgeblich besser halten solle als die Chimäre der christlich-jüdischen oder gar das Phantasma der deutsch-jüdischen, sind doch Teil des Problems und kein Hoffnungsschimmer, wie Czollek suggeriert.

Das absolut Angesagteste sind also jüdisch-muslimische Kooperationen, weil beide angeblich ähnlich marginalisiert seien. Dabei gab es in der Bundesrepublik noch nie eine so riesige und extrem starke Gruppe von Einwanderern wie die Muslime, wobei viele erst spät zu solchen wurden, viele kamen als säkulare, Arbeit suchende Menschen wie aus der Türkei oder als Flüchtlinge aus Bosnien und wurden später, aber umso brutaler islamisiert oder islamisierten sich selbst und ihre Familien. Viele Muslime wollen gar nicht Teil der Gesellschaft sein, verschleiern sich, lassen sich obsessiv Bärte wachsen oder ihre Kids nicht mit „Ungläubigen“ zu Hause spielen – dazu kommt der althergebrachte Rassismus der Mainstream-Deutschen, von Pegida bis AfD und dem viel älteren west- wie ostdeutschen Rassismus.

Czollek hat offenbar am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin promoviert. Dass der dortige frühere langjährige Leiter zwei Jahre, nachdem er das letzte Mal seinem Doktorvater, einem treuen Hitleranhänger, öffentlich zum Geburtstag gratuliert hatte, Direktor jenes Zentrums wurde und seine Nachfolgerin wie Czollek den Antisemitismus (wie des frühen 19. Jahrhunderts, für Czollek und Wolfgang Benz des späten 19. Jahrhunderts bis zur Shoah) mit der „Islamophobie“ analogisieren, passt ins Bild. Hat sich Czollek je mit den Antisemitismus verharmlosenden oder Islamismus befördernden Tendenzen am ZfA befasst? Oder ist das nicht exakt seine „Liga“?

Das Buch „Des-integriert Euch“ ist keine „gesellschaftliche Polemik der Stunde“, wie der Hanser Verlag das Buch anpreist. Es ist ein erfolgreicher Versuch eines Juden gerade damit zu reüssieren, sich gegen Juden zu stellen und den Antisemitismus, der 2018 so stark ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr, nicht nur zu verharmlosen, sondern zu unterfüttern mit einem knallharten postzionistischen Narrativ, wie es im Soziologendeutsch heißen würde.

Selbst seine vorgebliche Kritik an Deutschland ist maximal halbgebildet. NS-Verharmloser und Anti-68er wie Götz Aly oder der die Deutschen zu Opfern eines Luft-„Vernichtungskriegs“ wie die Juden der Shoah imaginierende W.G. Sebald sind seine Zeugen, was wiederum unterstreicht, wie wenig Czollek von der heutigen wissenschaftlichen und publizistischen Kritik am Antisemitismus mitbekommt.

In einer Zeit, in der eine rechtsextreme Partei im Bundestag und allen Landesparlamenten sitzt, die in nie dagewesener Form gegen die Erinnerung an den Holocaust mobil macht, das Holocaustmahnmal in Berlin ablehnt und somit weiten Teilen auch des Bürgertums, des dumpf-deutschen, aus der Seele spricht, zu fordern, das typische Holocaustgedenken (bei Czollek nach dem Motto „Nicht-jüdischer Journalist fragt jüdische Künstlerin über ihre Familie“…) eher lächerlich zu machen, zeugt das von besonderer Cleverness oder doch eher von einem gravierenden Realitätsverlust, wie Freud diagnostizieren würde? Ein Verkaufsschlager ist es allemal im neuen Deutschland.

In Zeiten, wo Schulklassen mit muslimischer Mehrheit gar nicht über die Shoah reden wollen und die Lehrer*innen sich unfähig oder unwillig zeigen, das durchzusetzen, zu fordern, dass die Erinnerung eh der völlig falsche Weg sei und es um das ach-so-lustige popkulturelle, Battle-Rap-postzionistische Judentum im 21. Jahrhunderts gehen solle?

In Zeiten, wo universelle Werte von Kulturrelativist*innen abgelehnt werden, sich gerade an muslimische Gruppen oder Tendenzen anschmiegen? In Zeiten nach 9/11, wo der organisierte Islamismus so stark ist wie nie zuvor, von antisemitischen Ideologemen über den Kopftuchzwang, die Erdogan- und AKP-Vergötterung, der Liebe zur Muslimbruderschaft und dem abgrundtiefen Israelhass des heutigen Iran hin zum ubiquitären Antizionismus weiter Teile der deutschen Gesellschaft wie der islam- und nahostwissenschaftlichen Studiengänge an deutschen Universitäten?

Wenn die Czolleks die Zukunft der Juden in Deutschland sind, dann lachen der Jihad und der Islamismus herzlich. Für die Czolleks unserer Zeit sind nicht der Jihad und Islamismus oder die Nazis und die Dinner-Party-Antisemiten von München-Bogenhausen das Problem, sondern jene, die weiterhin darauf hinweisen, dass in Auschwitz sechs Millionen Juden ermordet wurden und die Juden die Opfer des Zweiten Weltkriegs sind (und Juden nicht die sowjetischen Sieger sind), und die sich mit aller Kraft gegen den Israelhass weitester Teile der deutschen Gesellschaft stellen.

Czollek und all die anderen jung-deutschen, postzionistischen Juden stehen für ein häufig postpubertäres Rumgehopse, linke Gesellschaftskritik, die zweifellos immer mit Religionskritik (ergo auch radikaler Islamkritik) zusammengeht, stört dabei nur. Und genau deshalb ist Max Czollek in Deutschland so erfolgreich.

Wenn die Generation der Czolleks wirklich etwas gegen dieses Land und gegen „Integration“ hätte, würde sie nicht obsessiv nach ihrer Identität und dem je neuesten, postmodernen, antiuniversalistischen Hype Ausschau halten, der antizionistischen Judith Butler oder dem totalitarismustheoretischen NS-Verharmloser Götz Aly frönen, der zwischen der Attacke auf den Springer-Konzern 1968 und der antijüdischen Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 keinen Unterschied sieht (und die Frankfurter Rundschau druckte es), oder andere problematische Identitäten wie die ach-so-zarte „jüdisch-muslimische Leitkultur“ pushen, sondern würde vielleicht eher Helene Fischer und ihre Millionen seicht-affirmativen Fans in Frage stellen und den Suhrkamp Verlag* Gremliza zitieren:

 

„Integration? Ich bin so frei, von dieser Scheißkultur nichts wissen zu wollen. Deutschlands Werte gehen mir allesamt am Arsch vorbei, ich singe keine Hymne, folge keiner Flagge, werden einen Teufel tun, auf das Grundgesetz, diesen Waffenstillstandspakt im Klassenkampf (Rosa Luxemburg), eine Eid abzulegen, und wünschte mir, jeder Mensch, der hierher geflohen ist, seine Haut vor unseren Exportwaffen zu retten, wäre so frei, es zu halten wie ich.“[ii]

 

[i] Shooman organisierte für das Jüdische Museum Berlin im Sommer 2018 u.a. eine Veranstaltung mit dem BDS-Aktivisten Sa’ed Atshan, einem Palästinenser aus Ost-Jerusalem bzw. dem Westjordanland, der in USA lebt, die dann zwar aufgrund von Protesten der israelischen Botschaft abgesagt, aber de facto nur verlegt und mit dem gleichen Setting wo anders veranstaltet wurde, vgl. dazu Clemens Heni (2018): Der Komplex Antisemitismus. Dumpf und gebildet, christlich, muslimisch, lechts, rinks, postkolonial, romantisch, patriotisch: deutsch, Berlin: Edition Critic (The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA), Studien zum Antisemitismus, Band 7), S. 445–451.

[ii] Hermann L. Gremliza (2016): Haupt- und Nebensätze, Berlin: Suhrkamp, S. 146 f.

* Konkret 11/2018 schreibt: “Das Kleine Blaue Buch ist nicht mehr im Handel. Im Frühjahr bat Gremliza den Verlag, in dessen Edition Suhrkamp seine Haupt-und Nebensätze gerade in zweiter Auflage erschienen waren, anlässlich der Versicherung der Geschäftsführung, der Autor Uwe Tellkamp, der sich zu Pegida bekannt hatte, werde weiterhin bei Suhrkamp verlegt, um Auflösung des Vertrags. ‘Ich wusste, bevor er ein Fall zu werden sich entschloss, nicht, wer oder was ein Tellkamp ist. Nun, da ich es leider weiß, werde ich jene selbstverständliche Distanz zur sympathy for the Nazi markieren, die der Verlag vermissen lässt, und fordere dessen Geschäftsführung hiermit auf, der einvernehmlichen Lösung des Vertrags mit mir zuzustimmen.’ Der Verlag stimmte zu, die noch nicht verkauften Exemplare der zweiten Auflage gibt es ausschließlich bei konkret.”

Gespräche über “Der Komplex Antisemitismus” im Radio von WDR 5 und WDR 3

Das Radio hat mich jüngst wieder eingeladen und mit mir über mein neues BuchDer Komplex Antisemitismus” gesprochen.

Am Montag, 3. Dezember 2018, sprach die Moderatorin Stefanie Junker mit mir in Ihrer Sendung “Scala – Hintergrund Kultur”, die Sendung lief von 14:05 bis 15 Uhr:

Der Komplex Antisemitismus

WDR 5 Scala – Hintergrund Kultur | 03.12.2018 | 10:23 Min.

Die neue Studie des Antisemitismusforschers Clemens Heni untersucht an neuen Beispielen, wie sich das destruktive alte Muster durch unser gesellschaftliches Leben zieht. “Dumpf und gebildet, christlich, muslimisch, “lechts, rinks”, postkolonial, romantisch, patriotisch: Deutsch”.

 

Am nächsten Tag, 4. Dezember 2018, sprach ich bereits ab 8:05 Uhr in der Sendung Mosaik von WDR 5 mit dem Moderator Raoul Mörchen:

“Der Komplex Antisemitismus”

WDR 3 Mosaik | 04.12.2018 | 10:31 Min.

“Dumpf und gebildet, christlich, muslimisch, lechts, rinks, postkolonial, romantisch, patriotisch, deutsch” – so beschreibt Clemens Heni den “Komplex Antisemitismus” in seinem neuen Grundlagenwerk.

 

Herzlichen Dank für die Einladung an den WDR und an die Redakteurinnen und die Moderator*innen!

Was hat der rechtsextreme Mord am Vorsitzenden der sozialistischen Partei Japans mit dem Israelkongress in Frankfurt am Main zu tun?

Am 25. November findet in Frankfurt ein „Israelkongress“ statt. Der gut gemeinte Kongress wird durch die Einladung eines Unterstützers der Neuen Rechten ins Absurde verkehrt.

 

Organisiert wird der Israelkongress seit Jahren vom Verein „I Like Israel“. Es ist sehr bedeutsam, sich mit Israel zu befassen und sich für den Judenstaat einzusetzen, gerade angesichts eines stark zunehmenden Antisemitismus und einer Israelfeindschaft bis weit in die Mitte der Gesellschaft. Auf dem Kongress soll der Stadtkämmerer von Frankfurt am Main, Uwe Becker (CDU), für seinen „Einsatz zur Förderung der deutsch-israelischen Beziehungen und der deutsch-israelischen Städtepartnerschaften“ geehrt werden. Grußworte von Angela Merkel und Benjamin Netanyahu per Video sind ebenso angekündigt.

Doch dann kommt der Schock: Einer der Redner bzw. Moderatoren der eintägigen Veranstaltung ist ein international führender, einflussreicher Unterstützer der Neuen Rechten: der amerikanische Historiker und Nahostforscher Daniel Pipes. Er unterstützt den vorbestraften rechtsextremen Schläger Tommy Robinson aus England ebenso wie die deutsche, extrem rechte, Pro-AfD-Internetseite Journalistenwatch. Die Beziehung von Pipes zu Journalistenwatch, die für ihre Agitation gegen die Holocaustüberlebende und ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, berüchtigt ist, hat die Wochenzeitung Die Zeit im Dezember 2017 aufgedeckt.

Ich selbst kenne Pipes und habe mit seinem Middle East Forum (MEF) früher kooperiert, weil er sich angeblich, so sein Tenor über viele Jahre hinweg, gegen die antimuslimische Agitation in den USA aussprach und nachdrücklich, gerade als Historiker und Islamforscher, für die Unterscheidung von Islam als Religion und Islamismus als äußerst gefährliche Ideologie einsetzte. Dafür wurde Pipes in USA von vielen rassistischen antimuslimischen Kreisen häufig diffamiert. 2016, schon vor der US-Präsidentenwahl, trat er sogar aus der Republikanischen Partei aus, weil ihm die Volksverhetzung und der brutale, unzivilisierte Habitus von Trump angeblich zuwider waren.

Die Wahl von Trump hat gleichwohl eine noch viel stärkere Fanatisierung von Leuten wie Pipes bewirkt. Nun unterstützt er ganz offen Rechtsextreme und Schläger (die eine noch brutalere Qualität haben als der von Pipes ebenso geschätzte und unterstützte holländische, neu-rechte, antimuslimische wie antisemitische Agitator Geert Wilders), die sich gegen den Rechtsstaat wie in Großbritannien wenden: Das ist der Fall Tommy Robinson. Zu einer Veranstaltung mit Abgeordneten der Republikanischen Partei war Robinson am 14. November 2018 von Pipes und dem Middle East Forum (MEF) zu einem Symposium nach Washington, D.C., eingeladen worden. Dort gab es von einigen wenigen Leuten Protest gegen den Rassismus und Neonazismus von Robinson, wie man auf einem Video sehen kann.

Seit dem Bericht in der Zeit von Dezember 2017 sowie einer im November 2017 erschienenen Kritik von mir in der Times of Israel an den extrem rechten Tendenzen in der Pro-Israel- und Anti-Islamismus-Szene (die zu einer Anti-Islam-Szene mutierte oder das immer war) war meine Beziehung zu Pipes und dem Middle East Forum beendet. Schon zuvor war deutlich geworden, dass ich die Unterstützung des MEF dazu verwendete, Antifa-Bücher wie von Anton Maegerle („Vom Obersalzberg bis zum NSU“) oder linkszionistische Bände wie meine Studie über Kritische Theorie und Israel in meinem Verlag Edition Critic zu publizieren.

In einer Zeit, wo (häufig staatlich alimentierte) Einrichtungen wie Jüdische Museen Pro-BDS-Veranstaltungen organisieren wie in Berlin, wo ein Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) an der TU Berlin schon mal Antizionisten beschäftigte oder seit Jahren den Antisemitismus verharmlost und den Islamismus schön redet; in einer Zeit, in der NGOs wie die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main in Sammelbänden Pro-BDS Texte wie von einer Doktorandin jenes ZfA publiziert und Antisemitismus kategorial mit einer angeblichen „Islamophobie“ analogisiert (und den Rassismus gegen alle Nicht-Muslime klein redet) und so tut, als seien sie dort gegen Islamismus und Antisemitismus; angesichts dieser islamophilen, unkritischen und häufig antiisraelischen oder die kritische Antisemitismusforschung behindernden Zeit und dieser deutschen Normalzustände hat man nicht immer die ganz große Auswahl der Kooperationspartner.

Es gibt junge Forscher (wie Samuel Salzborn), die eigentlich durchaus kritisch sind gegenüber dem Islamismus – oder gegenüber dem Kopftuch, dessen Ablehnung von sehr vielen sich links dünkenden Forscher*innen als „islamophob“ diffamiert wird, was Salzborn richtigerweise vehement kritisiert und sich für eine Kopftuchkritik einsetzt, denn das Kopftuch bei Kindern unter 14 fällt nicht nur meines Erachtens in die Kategorie Kindesmisshandlung und bei allen anderen in die Kategorie Fanatismus, wobei Jugendliche von 14–18 ja fast immer unter der Fuchtel von Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Onkel, Tante etc. stehen oder deren islamistische Imperative internalisiert haben) – und auch den Antisemitismus kritisieren, die aber dann (wie Salzborn) aus Karriere- oder sonstigen Gründen affirmativ Texte sehr einflussreicher Kollegen zitieren (wie von Werner Bergmann), ohne zu erwähnen, dass in genau einem solchen zitierten Text die jüdische Kritik am „ewigen Antisemiten“ mit dem Nazi-Topos und Nazi-Film „Der ewige Jude“ analogisiert wird.[i] Kein Wunder, dass Salzborn dann später bei genau diesem ZfA, das der Antisemitismusforschung so viel Schaden zugefügt hat, angeheuert hat. Solche Referenzen zahlen sich früher oder später aus.

Zurück zu Tommy Robinson, den Pipes so lautstark öffentlich unterstützt. Robinson ist ein enger Freund von Gavin McInnes, der in USA lebt und mit dem er nun eine Vortragsreise nach Australien plant. Wer ist McInnes? Am 12. Oktober 2018 fand eine Veranstaltung im Metropolitan Republican Club in New York City mit den 2016 von McInnes gegründeten „Proud Boys“ statt. Sie sind als rechtsextreme Schläger in ganz USA bekannt. McInnes war einer der Mitbegründer des Vice-Magazins und wird als früher Protagonist der Hipster-Bewegung betrachtet. 2008 verließ er Vice. Im August 2018 sperrte Twitter seinen Account und den anderer „Proud Boys“ wegen deren Extremismus. Das Southern Poverty Law Center in USA stuft sie als Hassgruppe ein.

Am 12. Oktober 1960 ermordete der Rechtsextreme Otoya Yamaguchi den Vorsitzenden der sozialistischen Partei Japans, Inejiro Asanuma, auf einer Wahlkampfveranstaltung in Tokio mit einem Samuraischwert. Dieser brutale Mord wurde nun am 12. Oktober 2018 von Gavin McInnes im Metropolitan Republican Club nachgespielt – mit einem Plastikschwert in der Hand nahm er die Rolle des Mörders ein und meinte, diese Szene sei „sehr inspirierend“.

World Press Photo of the Year 12/10/1960 Tokyo, Japan. Otoya Yamaguchi, a right-wing student, assassinates Inejiro Asanuma, Socialist Party Chairman, during his speech at the Hibiya Hall in Tokyo. Commissioned by Mainichi Shimbun

Die Japan Times ist fassungslos aufgrund dieser rechtsextremen Tötungsverherrlichung in den USA. McInnes möchte den Sozialismus oder die Linke in USA töten, so wie Yamaguchi in Japan vor Jahrzehnten den Vorsitzenden der sozialistischen Partei ermordet hat. Das Nachspielen dieses Mordes am gleichen Datum, einem 12. Oktober, läuft einem kalt den Rücken hinunter. Nazis freuen sich: nach der Vorführung in New York gingen die Proud Boys auf die Straße und verprügelten auf brutale Weise Antifas.

McInnes’ Mordfantasien passen zu seinem Freund Tommy Robinson. Letzterer wurde im Mai 2018 wegen wiederholten Verletzens des britischen Rechts und unter absichtlichem Ignorieren der Warnung von Seiten der Justiz, einen laufenden Prozess, bei dem es um Muslime und Vergewaltigung geht, nicht durch Filmen und Live-Berichterstattung via Facebook oder andere Medien zu behindern und Geschworene wie Richter zu beeinflussen sowie Angeklagte vorzuverurteilen, inhaftiert.

Robinson bekommt massive politische wie finanzielle Unterstützung vom Middle East Forum (MEF), einem Thinktank aus Philadelphia in USA, und dessen Präsidenten Daniel Pipes. Dank der finanziellen und politischen Hilfe von Pipes und einer sehr großen rechtsextremen Kampagne in Großbritannien wurde Robinson Anfang August (vorübergehend) wieder aus der Haft entlassen.

Robinson verletzte absichtlich Persönlichkeitsrechte von Angeklagten – und wird von Pipes unterstützt. Das ist ein unglaublicher Vorgang und hätte nie zur Einladung von Pipes gerade 2018 zum Israelkongress in Frankfurt am Main führen dürfen. Aber schon Pipes’ Unterstützung der Pro-AfD-Hetzseite Journalistenwatch 2017 hätte es dem Organisator des Kongresses, Sacha Stawski, verdeutlichen müssen, dass so ein AfD-Freund nichts auf einem solchen Kongress, wenn er als seriös gelten möchte, zu suchen hat. Doch die Einladung geschieht offenkundig sehenden Auges.

In England ist die Diskussion über Robinson seit Jahren sehr scharf, jüdische Zeitungen wie der Jewish Chronicle und dessen Herausgeber Stephen Pollard betonen nachdrücklich, dass gerade jüdische Unterstützer von Robinson die schlimmsten Feinde (gerade von Juden wie dem Jewish Chronicle) seien. Das schrieb Pollard schon 2017, bevor er wissen konnte, dass Pipes Robinson 2018 unterstützen würde. Auch ein weiterer Autor des Jewish Chronicle, David Aaronovitch, wendet sich 2018 vehement gegen Tommy Robinson.

Robinson hat ca. 800.000 Anhänger*innen auf Facebook oder anderen sozialen Medien. Er wurde in kurzer Zeit geradezu zu einer Ikone des heutigen Rechtsextremismus. Er ließ sich in zwei langen Video-Gesprächen mit dem Verbreiter von Verschwörungsmythe Alex Jones von „Infowars“ promoten. Jones ist ein Radiomacher aus Texas und erreicht mit seinen Radioshows und Webseiten Millionen Zuhörer- und Leser*innen. Jones behauptet, der 11. September sei ein „Inside Job“ gewesen, Musikboxen würden Kinder „homosexuell machen“ und sagte im Dezember 2016, Hillary Clinton sei in einen mörderischen, Sex umwobenen Skandal in einer Pizzeria involviert und habe „persönlich Kinder getötet“. Dieser Verschwörungswahnsinn ging als „Pizza Hoax“ (oder „Pizzagate“) in die Geschichte ein, ein Krimineller stürmte wenig später mit einem Gewehr jene Pizzeria in Washington, D.C., schoss um sich und wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Im August 2018 wurden die Accounts von Alex Jones von Apple, Facebook, Spotify und Youtube wegen seiner Hassreden gesperrt. Jones vertritt auch die antisemitische Ideologie, nach der hinter dem US Gesundheitssystem eine „jüdische Mafia“ stecken würde. Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen hat er als womöglich absichtlich von Juden falsch gelegte Fährte bezeichnet. Trump ist ein Anhänger von Jones und sprach sogar mit dem Fanatiker in dessen Online-Show per Video-Schalte im Dezember 2015.

Tommy Robinson sprach mehrfach auf Pegida-Demonstrationen in Dresden, zuletzt im Oktober 2018. In den (a)sozialen Medien postete er Bilder von sich mit dem Pegida-Gründer, dem wegen Diebstahl, Drogenhandel, Körperverletzung und Volksverhetzung vorbestraften Lutz Bachmann, auf Teneriffa.

Pipes soll auf dem Israelkongress laut Programm ein Panel über „Koexistenz“ moderieren, auf dem auch die beiden in Deutschland aktiven Ahmad Mansour und Kim Robin Stoller sitzen. Weitere Teilnehmer*innen des Kongresse sind die Politologen Stephan Grigat und Matthias Küntzel, Harald Eckert von dem Verein „Christen an der Seite Israels“, Michael Spaney vom Mideast Freedom Forum Berlin (MEFF), Martin Patzelt (MdB, CDU),  Benjamin Steinitz von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS), Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Sebastian Mohr vom International Institute for Education and Research on Antisemitism (IIBSA), Nicola Beer, Generalsekretärin der FDP und MdB, Deidre Berger vom American Jewish Committee, eine ganze Reihe von Wirtschaftsvertretern, Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland und Vorsitzender der TuS Makkabi Frankfurt, Volker Beck (Ex-MdB, Bündnis 90/Die Grünen), Maya Zehden, Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), der Journalist Eldad Beck sowie dutzende weitere nationale wie internationale Rednerinnen und Redner.  Der international bekannteste Redner dieses Israelkongresses (von den Grußworten von Merkel etc. natürlich abgesehen) dürfte Daniel Pipes sein.

Regelrecht perfide wird es, wenn der Präsident von Eintracht Frankfurt und erklärte Antirassist Peter Fischer, der sich klipp und klar gegen die AfD ausgesprochen hat, zu diesem Israelkongress eingeladen ist, offenbar um zu suggerieren, dieser Kongress sei womöglich nicht rechts, sondern kritisch. Wurde Fischer über diese unglaublichen neu-rechten Bezüge dieses Israelkongresses in Kenntnis gesetzt?

Wer meint, Pro-BDS-Veranstaltungen, wie sie leider immer öfter vorkommen, würden Israel schaden, sagt nur die halbe Wahrheit. Denn Pro-BDS Events mögen Antisemiten anziehen, aber keine seriösen Journalist*innen, Politiker*innen oder Aktivist*innen. Wer jedoch Israelkongresse organisiert und dabei prominente Redner einlädt, die extrem rechte deutsche Homepages unterstützen und rechtsextreme, vorbestrafte Hetzer finanzieren und promoten, schadet Israel wirklich und zwar so massiv, wie die kleine Pro-BDS-Szene in diesem Land das gar nicht könnte.

Es muss um eine seriöse Israelsolidarität gehen, im besten Fall um einen Linkszionismus, der zudem sehr kritisch ist gegenüber der Regierung Netanyahu und allen extrem rechten Tendenzen in Israel wie gegenüber der Besatzung des Westjordanlandes, ohne auch nur eine Sekunde den palästinensischen oder islamistischen Antisemitismus in Nahost, die Anti-Israel Politik weiter Teile der EU und der UN oder die internationale, antisemitische BDS-Bewegung zu ignorieren oder zu verharmlosen.

Der ganze Israelkongress strotzt nur so von Affirmation israelischer Politik, Kritik am extrem rechten Kurs Israels in den letzten Jahren wird schon in der Ankündigung völlig derealisiert. Das Hofieren des Antisemiten und Verschwörungsanhängers Victor Orbán, der gegen den Juden George Soros eine widerwärtige antisemitische Kampagne in Ungarn organisierte, die die CSU und die AfD, aber auch Neonazis in ganz Europa und den USA faszinierte, das Kungeln mit der polnischen Regierung und deren Leugnung der Teilhabe von Polen am Holocaust (was in Israel sehr scharf kritisiert wird und Netanyahus Verhalten ist ideologisch und gerade nicht diplomatisch bestimmt), oder die massive Unterstützung des Rassisten, Sexisten und Antisemiten Donald Trump durch Netanyahu auch und gerade nach dem schlimmsten antisemitischen Massaker in der Geschichte der USA in Pittsburgh durch einen Neonazis, der wie Trump jene kleine Flüchtlingskarawane aus Südamerika an die mexikanisch-amerikanische Grenze zum Anlass nahm, Juden in einer Synagoge in Pittsburgh zu massakrieren, eine einzige Katastrophe. Entgegen den Juden in Pittsburgh stellte sich nämlich Netanyahu hinter Trump und behauptete, dieser sei nicht Antisemit. Dabei war Trump mit seiner Agitation gegen Flüchtlinge und Juden wie Soros, die Flüchtlinge unterstützten, mit verantwortlich für ein antisemitisches Klima, wie viele Kommentator*innen in USA betonen, exemplarisch Adam Server vom Atlantic) – und steht in eklatantem Widerspruch zur Kritik an Trump von der übergroßen Mehrheit der Juden in USA, die wiederum in übergroßer Mehrheit Israel unterstützen und Zionist*innen sind. Sinnbild dafür ist eine scharfe Kritik an Netanyahu und dem Nationalstaatsgesetz von Juli 2018 vom Präsidenten des World Jewish Congress, Ronald S. Lauder, in der New York Times – „Israel, this is not Who we are“.

Diese Kritik an Netanyahu und der rechten politischen Kultur in Israel aus dem Munde von Lauder, immerhin Präsident einer der größten jüdischen NGOs weltweit, ist sehr bedeutsam – spiegelt sich aber im Programm dieses Israelkongresses überhaupt nicht wider, der israelische Premier wie der Botschafter werden sprechen und es geht nur um eine Selbstbeweihräucherung. Das ist realitätsblind und ignoriert die massive jüdische Kritik an der israelischen Regierung in Israel wie auch in USA und andernorts – wie gesagt: das ist eine jeweils zionistische Kritik, die Israel verbessern (dramatischer: retten) möchte und gerade deshalb gegen Bibi, die Besatzung und extreme Rechte engagiert ist.

Solche israelkritischen Töne der mit riesigem Abstand größten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels, sind also in Deutschland so gut wie nirgends zu hören, von post- oder antizionistischen Juden mal zu schweigen. Manche kritzeln lediglich für ihre Hauspostillen (wie die Bahamas, die auch Texte des US-Präsidenten Trump publiziert und dessen Sexismus, Rassismus und Antisemitismus wie seinen nie dagewesenen antidemokratischen Ton goutieren, weil er doch gegen das iranische Regime sei), andere angeblichen Israelfreunde liebäugeln mit rechtsextremen Juden (wie den Juden in der AfD), die vom Zentralrat der Juden genauso abgelehnt werden wie die AfD insgesamt (namentlich die deutlichen Worte des Zentralratspräsidenten Josef Schuster sind hier zu nennen) oder loben die AfD-Führung wie Gauland (so der Publizist Thomas Maul).

Wie das „Linke Bündnis gegen Antisemitismus München“ untersucht hat, ist die AfD München (die hier nur exemplarisch steht für die gesamte AfD) antisemitisch – und auch das hat mit Pipes und dem Middle East Forum zu tun, wie das Bündnis betont.[ii]

Das alles ignoriert dieser Israelkongress und promotet Daniel Pipes. Das stört keine Referentin und keinen Referenten, die ja alle seit Wochen lesen können, dass Pipes dort sprechen wird. Warum sollte es sie auch stören, wenn doch die ARD aus einem Krimi eine Szene retuschiert, weil dort ein Anti-AfD Aufkleber zu sehen war und sich die Faschos bei der ARD beschwert hatten? Mittlerweile gilt also das Geblöke von Neonazis und ihren Fans mehr als die Kunstfreiheit von Filmemacher*innen und die Kritik am Rechtsextremismus und Antisemitismus der AfD. Insofern passt dieser Israelkongress ganz wunderbar zum Mainstream in diesem Land.

Seriöse Israelfreunde und Antifas sind jedoch „noch nicht komplett im Arsch“.

 

 

[i] „Aber auch wenn der Antisemitismus sicherlich ein integraler Bestandteil des abendländischen ‚Kulturerbes‘ und emotional stark besetzt ist – wie jedes Vorurteil –, so steckt im Begriff des ‚ewigen Antisemiten‘ doch die gleiche falsche Anthropologisierung und Naturalisierung wie im ‚ewigen Juden‘.“ Vgl. dazu meine Kritik in Clemens Heni (2018): Der Komplex Antisemitismus. Dumpf und gebildet, christlich, muslimisch, lechts, rinks, postkolonial, romantisch, patriotisch: deutsch, Berlin: Edition Critic (The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA), Studien zum Antisemitismus, Band 7), S. 48.

[ii] „Auch andere führende Mitglieder der Münchner AfD unterhalten beste Beziehungen zu antisemitischen Kreisen. Der bereits genannte Rainer Gross ist zugleich Vorsitzender der Gustav-Stresemann-Stiftung[51], die mit der Desiderius-Erasmus-Stiftung um den Status als offizielle parteinahe Stiftung rang und dabei verlor. Während letztere vom neoliberalen Flügel der AfD unterstützt wurde, zählte vor allem der völkische Flügel zur Anhängerschaft der Stresemann-Stiftung[52]. Finanziert wird sie vom Middle East Forum, das auch das für seine geschichtsrevisionistische und antisemitische Propaganda bekannte Portal Journalistenwatch bezahlt. Zudem hat auch die Initiative „Einprozent“ finanzielle Unterstützung angeboten, die aus dem Umfeld von Götz Kubitschek und den bereits erwähnten Jürgen Elsässer und Karl Albrecht Schachtschneider stammt und über gute Verbindungen zur Identitären Bewegung verfügt. Ähnlich wie Elsässer ist auch Kubitschek vielfach mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen[53]. Und ähnlich wie für Elsässers Compact gilt auch für die Zeitschrift Sezession, für die Kubitschek als Chefredakteur arbeitet, dass diese antisemitische Propaganda verbreitet“, https://lbga-muenchen.org/2018/11/19/die-muenchner-afd-und-der-antisemitismus/?fbclid=IwAR1YqVXMYaPMKcw0gkdba_ZYKpzTUateFdO6e-LD4je3sgSkWxqQ_sMy9As (20.11.2018). Zum Middle East Forum und Pipes und deren Unterstützung der Stresemann-Stiftung siehe auch Nico Schmidt (2017): Stresemann-Stiftung erhielt Geld rechter US-Finanziers. Die AfD-Führung will eine neue, parteinahe Stiftung etablieren. Deren Historie führt ins neurechte Milieu und zu amerikanischen Geldquellen, 22.12.2017, https://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-12/afd-stiftung-gustav-stresemann-usa-finanzierung (20.11.2018).

 

Feine Sahne Fischfilet – die coolste Antifa-Band und die kritische Antisemitismusforschung

Seit Dessau weiß es auch das ZDF (Brauhaus statt Bauhaus): Die coolste und meist gehasste aller Antifa-Punk-Bands unserer Zeit heißt Feine Sahne Fischfilet:

Natürlich kommen Feine Sahne Fischfilet auch in meinem neuen Buch

Der Komplex Antisemitismus” (Berlin, Edition Critic, 2018) vor:

Das ebenso obercoole Label Audiolith hat mir jetzt dieses Hammer-Bild geschickt, mit Jacobus und Christoph:

Jacobus North (li.) und Christoph Sell von Feine Sahne Fischfilet mit meinem neuen Buch, Foto@audiolith, Hamburg

Danke an Feine Sahne Fischfilet für eure coole Mucke, für musikalische Antifa und die Kraft zum Widerstand gegen die doitschen Zustände, die ihr unzähligen Leuten gebt!!! Und für den Spaß natürlich 😉

 

Antisemitismus heute – in Deutschland – zum 80. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938

Auf Einladung der Kommende Dortmund und von Dr. phil. Dr. theol. Richard Geisen war ich am Donnerstag, den 8. November 2018 in Dortmund in der Reihe “Querdenker” zu einem Gesprächsabend zum Thema “Antisemitismus heute – in Deutschland” eingeladen.

Die ca. 70 Besucher*innen der Veranstaltung hörten sich in der ersten Halbzeit (ca. 60 Minuten) die Fragen von Richard Geisen  sowie meine Antworten zu verschiedenen Facetten des Antisemitismus in Deutschland an.

Ein zentraler Aspekt war hierbei die Frage nach der Bedeutung des neuen Nationalismus in Deutschland seit dem “Sommermärchen” von 2006. Ebenso kamen historische Aspekte des Antisemitismus wie der katholische Bund Neudeutschland, wie auch der heutige Islamismus zur Sprache.

Eine engagierte Besucherin der Veranstaltung sprach mich schon vor Beginn an und betonte, wie schockiert sie als 16jährige junge Frau im Jahr 1957 war, als sie aus eigenem Interesse “Mein Kampf” las, das alle Paare in der Nazizeit zur Hochzeit bekommen hatten. Und schon vor 1933 war u.a. durch “Mein Kampf” der Antisemitismus (Hitlers) allen bekannt. Solche Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern waren sehr wichtig und aufschlussreich.

Klaviermusik, eine Pause mit warmen Brezeln, Getränken und Gesprächen sowie eine ca. einstündige Fragerunde (die zweite Halbzeit) rundeten den Abend ab. In der Pause lag zudem ein Handout von mir aus, das ich hier dokumentiere.

Dr. Richard Geisen und Dr. Clemens Heni, Foto: Copyright@KommendeDortmund

Ein weiterer etwas älterer Teilnehmer betonte in der Diskussion, wie abstoßend er die deutsche Nationalhymne und ihren Text findet, was ich sehr gut nachvollziehe und mit dem Hinweis auf die Kritik an Hoffmann von Fallersleben des Pädagogen Prof. Benjamin Ortmeyer unterstrich. Einige Teilnehmer*innen sahen das erwartungsgemäß ganz anders und folgen eher der stolzdeutschen Linie, manche waren gar ob meines Hinweises überrascht, dass es mitunter Menschen gibt, die eine europäische Fahne benutzen statt einer deutschen.

Clemens Heni und Richard Geisen, Foto: Copyright@KommendeDortmund

Zwei weitere Teilnehmer*innen, offenbar eine Tochter mit ihrer Mutter (ca. 60 bzw. ca. 83 Jahre alt) waren schon gemeinsam in Israel und berichteten von der dramatischen Aussicht vieler französischer Juden – in den letzten Jahren seien 40.000 Juden aus Frankreich nach Israel emigriert, was ich insofern bestätigte, als jedem, der oder die mal in Netanya an der Strandpromenade spazierengeht, auffällt, dass dort primär französisch und nicht hebräisch gesprochen wird, um das mal überspitzt zu formulieren.

Richard Geisen und Clemens Heni, Foto: Copyright@KommendeDortmund

Ganz herzlichen Dank an Richard Geisen für die Einladung und den sehr informativen, politisch sehr bedeutsamen Abend und namentlich das von ihm intensiv vorbereitete Gespräch!

 

Pittsburgh, Trump and the End of an Era: Angela Merkel’s Stepping Down will lead to more Antisemitism around the world

The Times of Israel, October 30, 2018

Pittsburgh, Trump and the End of an Era: Angela Merkel’s Stepping Down will lead to more Antisemitism around the world

Oct 30, 2018, 5:59 PM

On Saturday, October 27, 2018, the worst antisemitic attack ever in the US took place, when a 46year-old American neo-Nazi massacred 11 Jews in the Tree of Life Synagogue in Pittsburgh. He screamed, “All Jews have to die”. Nazism was always part of American extremist circles, but it never before resulted in such an antisemitic massacre. Now it did. Because of the current American presidency.

Trump said after Charlottesville, where colleagues of the Pittsburgh killer chanted, “Jews will not replace us,” that there were “very fine people among them”. In Charlottesville, one antifascist protester was killed by a neo-Nazi, who directed his car into a crowd of antifascists.

Last week, just days before the shocking Pittsburgh event, another American neo-Nazi sent over a dozen pipe bombs to former US President Barack Obama, to Hillary Clinton, actor Robert de Niro, former Vice-President Joe Biden, CNN and other people or institutions Trump had been defaming on an almost daily basis in the last two and a half years, ever since this monster decided to run for the presidency. This terrorist had a van with windows pasted up full of pictures of Trump and the GOP and insults for CNN etc.

Trump himself agitates against George Soros, the Jewish billionaire. The antisemitic conspiracy goes like this: Soros supposedly finances left-wing NGOs to support or motivate millions of refugees and Muslims to emigrate to Europe and the Western world. Trump, Hungary’s President Viktor Orbán or pro-Israel groups such as Scholars for Peace in the Middle East (SPME) share this antisemitic conspiracy ideology against George Soros, without framing it as such, of course. Soros is perhaps the most hated Jew in the world today, thanks to Orbán, Trump and countless neo-Nazi and far right groups around the globe, but also thanks to many self-declared pro-Israel groups.

In the Washington Post, Julia Joffe points out that those saying the Pittsburgh neo-Nazi was in a way “anti-Trump”, while using Trump’s language of evil “globalists,” are wrong. Joffe analyzes the deep antisemitic ideology of Trump himself:

In the 2½ years that followed, Trump’s tune has become a deafening roar. The closing ad of his campaign reprised the kind of anti-Semitic tropes that populated “The Protocols of the Elders of Zion”: “It’s a global power structure that is responsible for the economic decisions that have robbed our working class, stripped our country of its wealth and put that money into the pockets of a handful of large corporations and political entities,” Trump’s voice said, as pictures appeared of then-Federal Reserve Board Chair Janet Yellen (a Jew), billionaire progressive donor George Soros (a Jew) and then-Goldman Sachs CEO Lloyd Blankfein (also a Jew). The ad was called “Donald Trump’s Argument for America.

Neo-Nazis such as the Pittsburgh killer exactly understand Trump’s tone. They understand that violence is fine, when Trump most recently at a rally imitated a GOP candidate who body-slammed a Jewish journalist from the British Guardian last year. Trump set the horrific tone against “globalism”, a neo-Nazi dog whistle for “the Jews run the world” such as was trumpeted by the Protocols of the Elders of Zion from the early 1900s.

The same happened with HIAS, the Hebrew Immigrant Aid Society, founded in 1881 to help Jews fleeing pogroms in Tsarist Russia, when Trump agitates against that very organization because they support a tiny caravan of some 5000 Latin American refugees and other immigrants. Many activists, authors and NGOs praise Trump for his supposedly pro-Israel activities, like his exit from the Iran treaty, his decision to move the US embassy to Jerusalem or his peace plan for the Middle East. Every single move of Trump was early on based on his unbelievable anti-Western endorsement of violence against women, Muslims, immigrants, the free press, the LGBTQ community, Latinos and the Left. After Pittsburgh, though, every single pro-Trump statement by the self-declared pro-Israel camp drips with the blood of the Jewish people killed in Pittsburgh.

To make bad matters worse, Trump immediately congratulated the new fascist president of Brazil, Bolsonaro, a man known for his rally gesture to wipe out his enemies with a machine gun. We know of much violence supported by the US in recent decades, in particular in Latin America – but such an endorsement in 2018 is still unbelievable.

Finally, the end of the Western world is near, and this is not an exaggeration: Angela Merkel has just declared that she will not run for reelection as head of her Christian Democratic Party in December at the party convention in Hamburg. She also said, that she will for sure end her political career in 2021, when her term as German chancellor ends (it might even end much earlier). As a left-winger, I was of course never an ally of a Christian conservative such as Merkel. However, she had one historical moment not many people will ever have in their lifetime: she opened the German border (more correctly: did not close it) for the hundreds of thousands refugees from Syria, Iraq, the Middle East and other parts of the world, including Afghanistan and both North and Sub-Sahara Africa.

Merkel was the most hated German politician ever since 1949, when the Federal Republic of Germany was founded (FRG), because she was not a racist. The neo-Nazi Alternative for Germany’s (AfD) MP Alexander Gauland “embraces German history” and compared the killing of six millions Jews to the mud of a bird. AfD MP Markus Frohnmaier recently employed as co-worker neo-Nazi Manuel Ochsenreiter, who is an ally of the Islamist regime in Iran and agitates against the “Zionist lobby”. Racism and antisemitism are the core elements of the AfD and their violent agitation against Merkel over the last three years.

After Merkel, German conservativism is likely to become as nationalist and racist as it was during the long rule of Helmut Kohl in the 1980s and 1990s, and it will probably become much worse, as today we also have the right-wing extremist AfD in all state parliaments and in Germany’s  federal parliament (the Bundestag).

Many conservatives share antisemitism via Hungarian President Orbáns agitation against Soros. They include Jens Spahn, currently minister of health under Merkel, who now aspires to become the new head of the Christian Democratic Union (CDU), Merkel’s successor. He is known for far right statements and right-wing extremist allies or fans.

The antisemitic massacre in Pittsburgh comes at a time, when right-wing extremism, even fascism raises is antisemitic, racist, antidemocratic head again – be it in Germany, the US, Brazil, Hungary, Austria or Italy and many other parts of the world.

The world might face the worst time ever since the defeat of German National Socialism in 1945.

The antisemitic massacre of Pittsburgh might be seen by historians as America’s 1938.

About the Author
Dr Clemens Heni is director of The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

NEUERSCHEINUNG am 11. Oktober 2018 – Der Komplex Antisemitismus (Inhaltsverzeichnis, Leseprobe)

Am 11. Oktober 2018 erscheint das neue Buch der Edition Critic:

Clemens Heni

Der Komplex Antisemitismus

Dumpf und gebildet,
christlich, muslimisch,
lechts, rinks, postkolonial,
romantisch, patriotisch: deutsch

Hardcover mit Lesebändchen | ISBN: 978-3-946193-21-0 | 30€ |  764 Seiten |
14,8×21,0 cm | Literaturverzeichnis | Personen- und Sachregister |

Rezensionsexemplare können beim Verlag angefragt werden.

Inhaltsverzeichnis

Leseprobe

Ausführliches Inhaltsverzeichnis

Einleitung  7

Eine deutsche Idee  7

Was ist Antisemitismus? 8

„Primärer“ Antisemitismus: April 2018 und Juli 2012  15

April 2018: Kippa und Judenhass? 15

Juli 2012: Attacke auf die Brit Mila 16

Was ist „sekundärer Antisemitismus“?  17

Erinnerungsabwehr und Universalisierung des Antisemitismus  18

Sarrazins Stolz auf das Deutschland der 1950er-Jahre  22

Geschichtsrevisionismus im 21. Jahrhundert: Universalisierung des Holocaust  24

Deutscher Opferdiskurs   26

Das Ende der Erinnerung an den Holocaust  27

Das Verhindern kritischer Antisemitismusforschung am ZfA?  31

Muslimischer Antisemitismus auf der Straße und online   58

Antisemitismus ist keine Unterkategorie von Rassismus   68

Was steht in diesem Buch?  72

Methode  75

Teil I: „Primärer“ Antisemitismus  77

Kapitel 1) Der „ewige Jude“ und die deutsche Spezifik in
antisemitischen Bildern seit 1694  77

1.1) Ahasver   77

1.2) Moloch und Mammon   84

1.3) Jüdische Gegenwehr gegen das Bild des ‚ewigen Juden‘ 90

1.4) Mammon nach dem Massenmord von 9/11  91

Kapitel 2) Daniel J. Goldhagen und Max Horkheimer/
Theodor W. Adorno im Vergleich   97

Wie deutsch ist abendländische Vergesellschaftung?  97

2.1) Goldhagens Analyse: „No Germans – No Holocaust“  99

Deutsche, nicht nur Nazis, waren Täter   100

Antisemitismus in Deutschland – deutscher Antisemitismus   103

Abriss des modernen (deutschen) Antisemitismus nach Goldhagen   104

Vom sozialen zum physischen Tod   106

Deutsche Täter   107

Arbeit und Deutsch-Sein: Arbeitslager   110

Todesmärsche bis zur letzten Stunde   111

2.2) Reaktionen auf Goldhagen   113

Rechte und Linke vereint   113

Saubere Wissenschaft des sauberen Todes – „No bad feelings“?   115

Aus Linken werden Deutsche   118

2.3) Auschwitz als Endpunkt abendländischer Zivilisation?  121

Horkheimers/Adornos „Elemente des Antisemitismus“ (1944/47)  121

Die erste These: Rassistischer Antisemitismus, die falsche gesellschaftliche Ord.  122

Die zweite These: Losgelassene Subjekte als Opfer oder Täter?  124

Exkurs: Von Odysseus zum modernen, insbesondere deutschen Antisemitismus: Naturbeherrschung als übergreifendes Paradigma
patriarchal-kapitalistischer Moderne  127

Odysseus   128

Antisemitismus als Identität des verletzten, denaturierten Subjekts  129

Nachbesserung äußerer und innerer Natur: Schreber (-Gärten)   132

Die dritte These: Verkleidung von Herrschaft als Produktion   136

Die vierte These: Christliche Religion als Antisemitismus   137

Die fünfte These: Idiosynkrasie, Mimesis ans Tote als Antisemitismus   138

Die sechste These: Projektion als anthropologicum, pathische als Antisemitismus   141

Die letzte These (1947): Das Ticket   143

Schluss. Die deutsche Spezifik analysieren   146

Resümee   148

Kapitel 3) Der katholische Bund Neudeutschland und der Nationalsozialismus   151

Ein harmloser Steg in Freiburg?   151

3.1) Neudeutscher juristischer Nationalsozialismus: Hans Filbinger   158

3.2) Aus der Geschichte des katholischen Bundes Neudeutschland   166

3.3) Beten für Deutschland – oder: neudeutsch gegen Liberalismus und „Mammonismus“   173

3.4) Volk statt Glück und die Gefahr durch das „jüdische Element“   179

3.5) Die Ursprünge des ZDF? Karl Holzamer und die Frage nach der Person   183

Von der Liebe zur Person zur Abwehr des Humanismus   189

Rembrandtdeutsche Hasenfellmütze und der Kampf gegen „Judas“   198

3.6) Wie wird man Bischof? Deutsche als das „auserwählte Volk“ 1933:
Rudolf Graber   203

3.7) Der „Max-Müller-Steg“ in Freiburg: „Der ganze Christus“
gegen den „Liberalismus“    209

Max Müllers Texte in den Werkblättern 1933–1935   214

Max Müller schreibt seine Biographie um und alle machen mit   219

Max Müllers sekundärer Antisemitismus nach Auschwitz   239

Konsequenzen für die Stadt Freiburg?   247

Kapitel 4) Natur und Heimat – Naturschutz, Antisemitismus
und Nationalsozialismus    251

Völkischer Heimat- und Naturschutz, damals und heute    251

4.1) Naturschutz und Nationalsozialismus    256

Frank Uekötter und die konsistent nationalsozialistische Ideologie
des Naturschützers Walther Schoenichen   256

Ein „Managertyp“ im NS-Naturschutz? Hans Klose   263

Naturschutz, Antisemitismus, Nationalsozialismus   269

4.2) „Polykratie“ im Nationalsozialismus oder Antisemitismus?    275

Teil II: „Sekundärer“ Antisemitismus    287

Kapitel 5) Sekundärer Antisemitismus und Antizionismus
in Deutschland heute  289

Derealisierung in Architektur und Gesellschaft   289

5.1) Derealisierung    300

Flick-Collection   300

„Bombenholocaust“ und „Moralkeule“   302

„Vertreibungsholocaust“   306

Ein Doktorvater, der kein Nazi gewesen sein soll?   307

Entwirklichung der rechten Gefahr durch „Israelfreunde“?   329

Seit wann ist ein Pro-NSDAP-Plakat nicht mehr antisemitisch?   336

5.2) Universalisierung    340

Vom „500jährigen Reich“, „Auschwitz als Fabrik“ und der Holocaust
als „nie endender Ladenschluss“ des Kapitalismus   340

Muslime und Araber als „die Juden von heute“   347

Achille Mbembe, ein Antisemit? Postkolonialismus und Antisemitismus   361

5.3) Antizionismus    382

Der NS-Israel-Vergleich   383

Ex-israelische und jüdische Israelfeindschaft   397

Trivialisierung von antiisraelischen Selbstmordattentaten   414

Musikalische Israelfeindschaft und die Bundesregierung?
Die Barenboim-Said Akademie in Berlin   416

Migrantisch-deutsche Israelfeindschaft?   425

Publizistischer Antizionismus und die Querfront: Grass   431

BDS    438

Soziologische „Israelkritik“ als Ressentiment? Moshe Zuckermann,
das Unheimliche und der Zeitgeist. Ein Offener Brief   466

Kann ein „proisraelischer“ Fernsehfilm Israel schaden?   493

Kapitel 6) Henning Eichberg, die Neue Rechte, Antisemitismus
und die Wissenschaft   503

6.1) Was heißt „Neue Rechte“?    504

6.2) Henning Eichberg und die Neue Rechte    507

6.3) Eichberg und der Nationalsozialismus    511

‚Guter‘ Nationalsozialismus: Das NS-Thingspiel, Eichberg und
die Geschichtswissenschaft   511

‚Schlechter‘ Nationalsozialismus: Antiindustriegesellschaftliche Schuldprojektion   514

6.4) Eichberg und der Lit Verlag bis 2018    518

6.5) „Umvolkung“ – „Völkertod“: ein rechter Topos seit 1932    521

Kapitel 7) 50 Jahre ’68 oder Götz Aly und der
„Aufstand der Anständigen“ von 1933      529

Das Ignorieren des Antisemitismus       529

7.1) Zweierlei „totalitäre Jugendbewegung“    533

7.2) Der Backlash der Reaktion – von Erwin K. Scheuch bis Götz Aly    534

7.3) Horkheimer oder Kiesinger – irgendwie das gleiche 536

7.4) „Arrogante Studenten“ – 1933 und 1968  537

7.5) Bücherverbrennung 1933 = Anzünden von BILD-Zeitungen 1968    539

7.6) Der reaktionäre Zustand der Gesellschaft   540

7.7) Kategoriale Gegensätze zwischen 1933 und 1968   541

7.8) Dutschke versus Goebbels   543

7.9) Die „SA“ als „Aufstand der Anständigen“ – gegen
die „ungewaschenen Dutschkes“    545

Kapitel 8) Antisemitismus im EU-Mainstream: Rot = Braun    547

8.1) Gefährliche Komparatistik    549

8.2) Die unsouveränen Gauck-Fans    554

8.3) Gauck im Kontext der politischen Kultur und
des sekundären Antisemitismus    557

8.4) Gauck und die Prager Deklaration von 2008    561

8.5) Dank an die Rote Armee der UdSSR    563

8.6) Die Salonfähigkeit des geschmeidigen, subkutanen Antisemitismus    565

Kapitel 9) Antisemitismus im Zeitalter von „Sommermärchen“, „Heimat“ und AfD    571

Kulminationspunkt 2017          569

9.1) Gespräch im Radio WDR 5 mit Thomas Koch    574

9.2) Alexander Dobrindt und der neu-rechte Kulturkampf   589

9.3) Vom „Reichserntedankfest“ zur AfD – Hameln ist überall   596

9.4) „Heimat“, Antisemitismus und die „Erklärung 2018“    603

Edgar Reitz: Heimat, 1984   603

Die Deutschen sind 1945 „sehr glimpflich davongekommen“   609

Von Cicero bis Erasmus von Rotterdam: Ubi bene, ibi patria   611

Was heißt Heimat?   611

Wehrmacht, Heimat, Einheit des Volkes   613

Jammer-Ossis und -Wessis   616

Der neu-rechte Gesprächskreis und Rüdiger Safranski   619

Broder gegen Heimat, 1987    622

Broders Regression und die selbst ernannte „Israelszene“   623

Safranskis Romantik   625

Konservative Revolution 1927/2018    628

Linker Narzissmus statt Kritik: „Solidarität statt Heimat“   629

Kapitel 10) Peter Weiss, Dresden, Israel und die Universalisierung von Auschwitz    635

10.1) Die Gleichsetzung von Auschwitz und Dresden    636

10.2) Auschwitz ohne Juden in der Ermittlung    639

10.3) Die Universalisierung des Holocaust   646

10.4) Peter Weiss, der linke Antizionismus und eine Postkarte von Adorno    649

Resümee, Forderungen und Dank    659

Literaturverzeichnis    665

Internetquellen    713

Personen- und Sachregister    725

Ausführliches Inhaltsverzeichnis    759

 

Mag Kramp-Karrenbauer Nazis? Stoppt die CDU, bevor es zu spät ist!!!

Die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat frontal Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kritisiert, weil sich dieser unzweideutig gegen Nazis, Hitlergrüße, ganz normale Doitsche, die zu nicht-deutsch genug wirkenden Menschen “Viehzeug” schreien, wie in Chemnitz geschehen, stellt. Steinmeier unterstützt das heute stattfindende Konzert in Chemnitz mit den Toten Hosen, Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet:

“Kramp-Karrenbauer sagte der ‘Welt’ zu Steinmeiers Haltung, sie finde das ‘sehr kritisch’. “Denn das, was wir wollen, ist, unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat gegen rechts zu schützen. Und wenn man das dann mit denen von links tut, die genau in der gleichen Art und Weise auf Polizeibeamte verbal einprügeln, dann halte ich das für mehr als kritisch.”

Mit genau solchen Personen wie Annegret Kramp-Karrenbauer verharmlost man die Nazis. Diese antisemitisch motivierte Gleichsetzung von Rot und Braun war bereits Staatsideologie von Joachim Gauck und auch jetzt sieht eine CDU Generalsekretärin keinen Unterschied zwischen Linken, die Staatsgewalt kritisieren, was mehr als notwendig ist aus demokratischer Sicht, und Neonazis, die die Demokratie zerstören wollen und den Holocaust feiern.

Die CDU setzt also Nazis und Linke auf eine Stufe und damit zeigt Frau Kramp-Karrenbauer, dass sie nichts aus der Geschichte gelernt hat und fehl am Platze ist.

Die CDU hofiert die Nazis, ob via sächsische Landesregierung oder via Kramp-Karrenbauer, denn JEDE Gleichsetzung von Rot und Braun dient nur dazu, die Nazis zu verharmlosen und jeden Kampf gegen rechts zu diffamieren.

Wir sind alle Feine Sahne Fischfilet und die CDU ist Teil des Problems, das in Chemnitz seine Nazi-Fratze zeigt.

Robert S. Wistrich Memorial Lecture | May 31, 2018 | Antisemitism in Poland | Dr. Rafal Pankowski

See the monthly magazine of the Jewish Community Berlin, jüdisches Berlin, May 2018, page one and two:

 

Antisemitismus auf der Straße, im Café oder im Salon

Verharmlost der Lit Verlag den „linken Flügel der NSDAP“?

Die jüngsten antisemitischen Attacken zeigen ein immer aggressiveres Klima in diesem Land. Die deutsch-muslimischen Rapper Kollegah und Farid Bang verhöhnen auf selten so offen dagewesene kulturindustrielle Weise Juden und Holocaustopfer in Auschwitz und werden dafür mit einem Echo geehrt. Tausende, ja Hunderttausende Kids mögen diesen antisemitischen Pöbel beziehungsweise machen ihn aus. Erst nach Protesten wird dieser Preis jetzt abgeschafft. Dieser ganz offene Judenhass zeigt sich in “du Jude” auf Schulhöfen oder “mach doch kein Judengeschäft”, wenn‘s mal ums Geld geht. Die großen Brüder fahren dann im BMW vor und spielen Kollegah und Farid B.

In Berlin attackieren wenige Tage später Jugendliche einen als Jude verkleideten arabischen Israeli mit Kippa auf offener Straße, einer von ihnen schlägt mit einem Gürtel zu, mitten am Tag, und schreien „Yahudi“ (Jude). Nur eine einzige Frau der dutzenden anwesenden Passant*innen und Cafébesucher*innen im Herzen des ökokapitalistischen, neuen Berlins greift ein.

Das passt zu den 25 Schulleitungen, die sich offenbar weigerten, Seminare über muslimischen Antisemitismus auch nur anzubieten, ganze fünf der 30 angefragten Schulen stimmten zu, wie die Wochenzeitung Die Zeit über ein Projekt der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor berichtet (19.04.2018, S. 65).

Diese ganz offenen Formen des Antisemitismus sind derzeit nach vielen Jahren endlich im Gespräch, auf allen Kanälen. Aber warum erst jetzt? Warum der Aufschrei, wenn ein einziger syrisch-palästinensischer Antisemit zuschlägt, aber nicht wenn fast sechs Millionen Deutsche – Eike Geisel hätte gesagt “Otto Normalvergaser” – eine Partei wählen, die stolz ist auf die deutschen Soldaten in zwei Weltkriegen?

Dann gibt es jene rechten Agitatoren, die sich berufen fühlen, Antisemitismus zu bekämpfen, solange er von links und Muslimen kommt. Sie (vorneweg Haolam mit dem Autor Gerd Buurmann) diffamieren gerne linke, pro-israelische Juden wie die linkszionistische Jüdin Natalie Portman, wenn diese sich gerade weil sie eine in Israel geborene Zionistin ist und ihr das Land enorm am Herzen liegt, weigert, einen Preis (den Genesis-Preis) persönlich entgegenzunehmen, da bei dessen Zeremonie auch Benjamin Netanyahu sprechen wird?

Viele haben immer noch nicht gelernt, dass diese Form von Kritik an israelischer Politik sehr richtig, ja sogar überlebensnotwendig ist für das Projekt eines jüdischen und demokratischen Staates. Darauf weist der amerikanisch-jüdisch-zionistische Autor Elad Nehorai im Forward mit Nachdruck hin.

Der deutsche Mainstream hat ein Problem mit Antisemitismus, die extreme Rechte pusht ihn seit vielen Jahren und mit der AfD sitzt jetzt eine Partei im Bundestag, die einer extrem deutsch-nationalen, nicht nur rassistischen, sexistischen, anti-linken, behindertenfeindlichen, sondern namentlich einer antisemitischen Agenda Vorschub gibt (häufig philosemitisch kaschiert) und den Antisemitismus wie die Erinnerungsabwehr an die Shoah promotet (sekundärer Antisemitismus).

Viele Linke, ob (post-)migrantisch oder nicht, hassen den Judenstaat und laden z.B. am 9. Februar 2018 die schwarze Antisemitin Jackie Walker aus Großbritannien ins Café Plume zum Landesarbeitskreis Internationales der Partei Die Linke in Berlin ein.* Walker meint, Juden hätten am Sklaven- und Zuckerhandel verdient, der Holocaustgedenktag wäre völlig einseitig und exklusiv für Juden und “Antizionismus sei eine Pflicht”.

Die Situation für Juden in Großbritannien ist enorm aggressiv, ca. 80 Personen sind alleine in der Labour Party von Ausschlüssen wegen Antisemitismus im Gespräch, wie die FAZ berichtet. Die Debatte in England und Großbritannien über linken Antisemitismus hat enorme Bedeutung, wie auch die Jüdische Allgemeine betont.

In Berlin wird dann am 25. April 2018 auch von verschleierten Musliminnen auf einer von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin organisierten Veranstaltung (“Berlin trägt Kippa”) Kippa getragen, weil “Berlin immer brauner” werde, wie sie SpiegelOnline sagen, ohne zu erwähnen, dass der Anlass diesmal nun mal ein arabischer Antisemit aus Syrien war (offenbar ein Palästinenser). Ein Anti-Merkel Agitator wie Claus Strunz wurde “passenderweise” von der Jüdischen Gemeinde engagiert, auch wenn sich auf dem Event z.B. jüdische Studierende gegen die AfD aussprachen.

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Jene, die jetzt in den (a)sozialen Medien wie Facebook oder Twitter nicht etwa Antisemitismus attackieren, sondern dies nur als Aufhänger benutzen, um gegen alle Nicht-Deutschen und Migrant*innen zu agitieren, haben mit ihrer „Erklärung 2018“ vom 15. März 2018 ein Manifest der Neuen Rechten zur Hand.

Diese Erklärung 2018 kam nun etwas ins Gerede, weil ein Unterzeichner, der Verleger Wilhelm Hopf vom Lit Verlag, seine Unterschrift wieder zurücknahm, wie ich im Tagesspiegel schrieb. Er hatte offenkundig Panik bekommen, dass Hunderte Herausgeber*innen und Autor*innen, die sich in einem Offenen Brief gegen Hopfs Unterschrift unter diese Erklärung wandten, als Kooperationspartner*innen des Lit Verlags abspringen.

Aber was publizieren Hopf und der Lit Verlag und seine Mitarbeiter*innen eigentlich für Bücher?

Hopf kooperierte über Jahrzehnte hinweg mit dem einflussreichsten Vordenker der Neuen Rechten, Henning Eichberg (1942–2017).

In den 80er Jahren publizierte Hopf mehrere Bücher mit Texten Eichbergs zu Sport und Kultur, 1982 verfasste er gar zusammen mit Eichberg ein langes Nachwort zu einer Broschüre aus dem späten 19. Jh. über Fußball und „Fußlümmelei“.

In diesem Nachwort schmiegen sich Eichberg/Hopf an den völkischen Vorturner schlechthin, „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn von der Berliner Hasenheide an. Kein kritisches Wort zur antifranzösischen Hetze Jahns oder seinem Werk „Deutsches Volkstum“ (1810).

Aber es kommt noch viel krasser: Hopf legte 2011 ein Buch von Eichberg neu auf: „Minderheit und Mehrheit“, das ursprünglich 1979 als Schulbuch herausgekommen war. Auch im April 2018 ist dieses Buch beim Lit Verlag erhältlich. Darin schreibt Eichberg folgenden Satz (S. 29), wie schon 1979:

„In der öffentlichen Wahlpropaganda vor 1933 und auch bei einigen linken NSDAP-Führern selbst (zum Beispiel beim linken NSDAP-Flügel um Gregor Strasser) blieb hingegen der Antisemitismus zunächst im Hintergrund.“

In der Nazi-Ideologie und in dem NSDAP-Parteiprogramm von 1920 konnten Juden „keine Volksgenossen“ sein. Wie kann der Lit Verlag also schreiben, der „Antisemitismus“ der Nazis sei „vor 1933“ „im Hintergrund“ geblieben? Hitlers „Mein Kampf“, Erster Band, erschien 1925.

 

Eichberg hatte sich schon früher mit Goebbels und den Strasser-Brüdern befasst, namentlich bezog er sich 1970 in seinem Text „Sozialismus von rechts“ positiv auf die Broschüre „Nazi-Sozi“ von Goebbels von 1926. Neben den Gebrüdern Strasser meint Eichberg exakt diesen ach-so-wahnsinnig-linken Flügel der NSDAP in seiner Passage im Lit Verlag. Goebbels schrieb in seinem Pamphlet:

„Gewiß ist der Jude auch ein Mensch. Noch nie hat das jemand von uns bezweifelt. Aber der Floh ist auch ein Tier, nur kein angenehmes. (…) Würden diese 60 Millionen gleich wie wir gegen den Juden kämpfen, dann brauchten sie sich nicht mehr zu fürchten, sondern dann wäre der Jude mit der Furcht an der Reihe.“

1972 schrieb Eichberg das Manifest „Aktion Neue Rechte“ und wurde zum einflussreichsten neu-rechten Autor und eloquenten Hetzer. Seine Übernahme von linken Sprachmustern ist Kennzeichen der „Querfront“, rechtsextreme Inhalte als links zu verkaufen. 1976 hatte Eichberg in der Nazi-Postille „La Plata Ruf“ des ehemaligen Goebbels-Mitarbeiters im Reichspropagandaministerium, Wilfred von Oven, geschrieben. 1979 publizierte Hopf Eichberg in einem Buch über Fußball. 1987 kam der Ex-SS-Mann Franz Schönhuber von den REPublikanern aufs Titelblatt von Eichbergs Hauspostille „wir selbst“. Parallel wurde Eichberg von Wilhelm Hopf weiterhin im Lit Verlag publiziert.

In der Neuauflage 2011 im Lit Verlag promotet Eichberg auch die neu-rechte Ideologie schlechthin, den „Ethnopluralismus“ (S. 151ff.), der Menschen nicht als Menschen sieht, sondern jeweils nur als Teil eines Volkes. Diesen Text hatte Eichberg zuvor in der rechtsextremen Postille „Volkslust“ publiziert. Wie schon 1979 stellt er die „Gleichheit der Menschen“ in Frage (S. 116). Das ist die rassistische Ideologie der alten wie der Neuen Rechten.

Am 4. März 1982 publizierte der STERN einen prominent angekündigten Text des Journalisten Ulrich Völklein. Er setzt Nazi-Terror wie den Bombenanschlag auf das Münchener Oktoberfest vom September 1980 mit 13 Toten in Beziehung zur Neuen Rechten. Eichberg wird als der „gefährlichste“ von drei untersuchten neu-rechten Autoren bezeichnet. Der Text wurde in einer Auflage von über 1,9 Millionen gedruckt, wie die Zeitung auf S. 5 schreibt. Titel des Textes „Die roten Nazis“. Eichberg war ein maßgeblicher Brandstifter und neu-rechter Ideologe, zuletzt als Autor im bekannten Lit Verlag.

 

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“On Friday, 9th February, we‘ll be organising a Stammtisch with Jackie Walker, a black Jewish member of Jeremy Corbyn‘s Labour party. Jacky is the former vice-chair of Momentum, and is being threatened with being thrown our of the Labour Party due to unfounded allegations of anti-semitism. Its also in the Café Plume and starts at 7.30pm. More Info at … Jackie will also be speaking at the „In the time of the Slanderers“ conference on 10 February  and will be performing her play „The Lynching“, based on her experience on 11 February (organised by the Jewish Antifa). We strongly encourage people to attend both events” (Quelle: https://theleftberlin.wordpress.com/page/2/, eingesehen am 26. April 2018).

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