Russland sollte zum Gedenken an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 70 Jahren eingeladen werden

 

Von Pinchos Fridberg

 

Das 70. Jubiläum der Befreiung von Auschwitz ist eine weitere Gelegenheit, an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und sie zu ehren. Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass der Ort, an dem ungefähr eineinhalb Millionen Menschen ermordet wurden, die meisten von ihnen Juden, nicht zum Schauplatz politischer Auseinandersetzungen werden darf.

Ich schreibe dies als ein Mensch, der wie durch ein Wunder den Holocaust überlebt hat, der mir meine Großeltern nahm und 28 weitere Familienmitglieder. Die meisten von ihnen wurden in Ponár (Paneriai) ermordet, doch es ist möglich, dass einige von ihnen nach Auschwitz geschickt wurden.

Die Eltern des Autors: Bescheinigung der Roten Armee für Chana Fridberg durch das Hauptquartier in Burlo-Tubinsk, dass ihr Ehemann Shaye Fridberg am 19. Dezember 1941 als Gefreiter in die Armee eingezogen wurde und dass sie Zugang hat zu den Privilegien, die Angehörigen aktiver Armeeangehöriger gewährt werden.

Um es ganz klar zu sagen: Ich bin kein Unterstützer Putins. Doch ich war entsetzt von der Nachricht zu hören, dass „die jüdische Gemeinschaft der Tschechischen Republik die Entscheidung von Präsident Milos Zeman ablehnt, seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin zu den Gedenkfeiern einzuladen, mit denen an die Befreiung von Auschwitz vor 70 Jahren erinnert werden soll“.

Man sollte nicht nach dem Prinzip leben, „der Zweck heiligt die Mittel“.

Der Vater des Autors: Bescheinigung der Roten Armee über eine Behandlung des Soldaten Shaye Fridberg nach einer Verwundung in einem Hospital (Militäreinheit 18762), die vom 26. Oktober 1943 bis zum 24. April 1944 dauerte. Shaye Fridberg wurde nach der Genesung zum weiteren Dienst an der Front entlassen.

Der Vater des Autors: Bescheinigung der Roten Armee über eine Behandlung des Soldaten Shaye Fridberg nach einer Verwundung in einem Hospital (Militäreinheit 18762), die vom 26. Oktober 1943 bis zum 24. April 1944 dauerte. Shaye Fridberg wurde nach der Genesung zum weiteren Dienst an der Front entlassen.

Doch lassen Sie mich an diese Schlagzeile erinnern: Im Kampf gegen den Kommunismus „während des Kalten Kriegs setzten amerikanische Nachrichtendienste Tausende Nazis ein“. Als ich diese Titelzeile zum ersten Mal las, dachte ich zunächst, es handele sich um eine weitere Meldung aus der Propaganda-Werkstatt Wladimir Putins. Doch es war die New York Times, die führende Tageszeitung der USA, die sie brachte.

Weshalb hat die jüdische Gemeinschaft in der Tschechischen Republik diese Politik nicht öffentlich verurteilt? Weshalb hat sie sich unter Berufung auf sie nicht gegen eine Teilnahme Präsident Obamas ausgesprochen? Weshalb hat sie nicht eine strikte Bestrafung der CIA-Mitarbeiter gefordert, die an dieser unaussprechlichen Verirrung beteiligt waren? Weshalb hat eine Mehrheit jüdischer Gemeinden noch nicht einmal den Fakt als solchen zur Kenntnis genommen?

Ich bin ein Bürger der Demokratie Litauen. Damit habe ich nicht nur das Recht auf eine Meinung, sondern auch das Recht, sie zu äußern, auch wenn sie der „offiziellen“ widerspricht.

Auschwitz wurde durch die Rote Armee befreit. Mein Vater war Gefreiter dieser Armee von Dezember 1941 bis zum letzten Tag des Kriegs. Er wurde drei Mal in Gefechten an der Front verwundet; ich füge hier zwei Kopien von Dokumenten an, die im Familienarchiv die Zeiten überlebt haben. Mein Vater starb 1992. Doch würde er noch leben und müsste lesen, dass der Repräsentant ausgerechnet des Staates, der Auschwitz befreite, nicht an den Gedenkfeiern 2015 teilnehmen soll, wäre er gewiss sehr verärgert.

„Putin muss nach Auschwitz eingeladen werden“, schreibt Efraim Zuroff, der „letzte Nazi-Jäger“, in einem Artikel. Ein weiterer Beitrag, der auf der Website ru.delfi.lt veröffentlicht wurde, ist so überschrieben: „Boris Nemzow: Wir können die Befreiung von Auschwitz nicht ohne Putin feiern“. Nemzow [, der 2010 ein Manifest mit dem Titel „Putin muss gehen“ unterzeichnete, d. Red.] kann kaum als Unterstützer des russischen Präsidenten bezeichnet werden. Ich stimme mit Zuroff überein, ich stimme Nemzow zu.

Ich bin davon überzeugt, dass das ewige Gedenken an die Millionen Ermordeten nicht durch die gegenwärtigen politischen Auseinandersetzungen entwertet werden darf.

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